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Stethoskop
Diagnose von Angina pectoris
Bei Verdacht auf Angina pectoris sollte ein akuter Herzinfarkt ausgeschlossen werden. Elektrokardiogramm und Echokardiografie sind mögliche Verfahren zur Diagnose.  
Angina Pectoris

Diagnose von Angina pectoris

In der Leitlinie „Brustschmerz“ wird die „Diagnostische Vorgehensweise bei Patienten mit Beratungsanlass Brustschmerz“ sehr genau dargestellt. Die Diagnose soll gemäß der Leitlinie mit einer Ersteinschätzung beginnen, noch bevor die Anamnese, also das ausführliche Arzt-Patientengespräch erfolgt. Zeigt der Patient bei Erstkontakt mit dem Arzt bestimmte körperliche und bewusstseinsmäßige Auffälligkeiten, wie z. B. starke Atemnot, Bewusstseinsstörungen, kalten Schweiß und heftige Schmerzen im Brustbereich, sollten unverzüglich lebensrettende Maßnahmen erfolgen. Diese Symptome deuten auf einen akuten Herzinfarkt hin, was eine unverzügliche Klinikeinweisung erfordert.

Auch bei Patienten mit einem vordergründig unauffälligen körperlichen Zustand muss im Zuge der Anamnese ein akutes Koronarsyndrom ausgeschlossen werden. Dazu sollten der Patient und dessen Zustand gemäß des sog. Marburger Herz-Scores punktemäßig bewertet werden. Die fünf Kriterien des Herz-Scores fragen insbesondere Kriterien ab, die auf eine koronare Herzkrankheit hindeuten. Die Leitlinie verweist in diesem Kontext auf die ärztliche Beobachtungsfähigkeit und auch auf dessen Erfahrungen mit dem Patienten. Zeigt der Betroffene während des Arzt-Patientengespräches bestimmte ungewöhnliche Anzeichen und Verhaltensweisen, kann ein Herzinfarkt nicht ausgeschlossen werden und es sollte auch dann eine klinische Einweisung erfolgen.

Körperliche Untersuchung und weiterführende Anamnese

Im weiteren Verlauf der Diagnose von Angina pectoris erfolgt in der Regel eine körperliche Untersuchung. Die Leitlinie empfiehlt diesbezüglich ein spezielles Vorgehen. Hat der Herz-Score bereits einen Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit ergeben, sind Verfahren wie Puls- und Blutdruckmessung, Abtasten des Brustkorbes auf Schmerzempfinden und weitere Maßnahmen zur genauen Lokalisierung durchzuführen.

Bei Patienten, die über typische Symptome einer Angina pectoris klagen, welche jedoch weder über die Abfrage der Kriterien des Herz-Scores noch bei der körperlichen Untersuchung erkrankungsspezifische Auslösefaktoren zeigen, ist der Arzt zu besonderem Einfühlungsvermögen angehalten. Die Leitlinie präsentiert auch hierzu bestimmte Empfehlungen des Vorgehens, die eine psychosomatische Komponente für die Entstehung des Brustschmerzes sehr deutlich miteinbeziehen.

Laboruntersuchungen zur Diagnose von Angina pectoris

Zur weiteren Diagnose einer Angina pectoris sollte eine Blutuntersuchung erfolgen, wobei die Blutentnahme im Nüchternzustand empfohlen wird. Das Blutbild kann bestimmte Unregelmäßigkeiten im Zuckerstoffwechsel, beispielsweise einen entstehenden Diabetes, sichtbar machen oder bei übergewichtigen Patienten Auffälligkeiten im Fettstoffwechsel zeigen. Auch entsprechende Werte zur Funktion von Leber, Niere und Schilddrüse können wichtige Hinweise zur Entstehung der Symptome einer Angina pectoris geben.

Ruhe- und Langzeit-EKG

Geben Anamnese und körperliche Untersuchung den Anlass auf einen Verdacht einer herzbedingten Ursache für die Angina pectoris, sollte im Anschluss ein Ruhe-EKG durchgeführt werden. Das Elektrokardiogramm (EKG) zeichnet die elektrischen Impulse aller Muskelfasern des Herzens auf. Bei Erkrankungen des Herzens, insbesondere einer koronaren Herzkrankheit, zeigt die Auswertung des EKGs Auffälligkeiten. Ergibt das Ruhe-EKG bestimmte Veränderungen des Herzrhythmus, sollte ein Langzeit-EKG zum Einsatz kommen.

Belastungs-EKG zur Diagnose von Angina pectoris

Ein Belastungs-EKG kann dazu eingesetzt werden, eine belastungsabhängige, also stabile Angina pectoris zu provozieren und die Diagnose zu sichern. Dazu radelt der Patient auf einem Fahrradergometer, während sukzessive der Widerstand erhöht wird. Durch diese Erhöhung muss der Patient stärker in die Pedale treten, um die Trittfrequenz konstant zu halten. Bei diesem Vorgang werden durchgehend die elektrischen Impulse der Herzmuskelfasern und auch der Blutdruck aufgezeichnet. Bei Patienten mit einer stabilen Angina pectoris kommt es in der Regel bereits während dieser Untersuchung zu typischen Symptomen.

Diagnose von Angina pectoris: Echokardiografie

Mithilfe eines Ultraschalls lassen sich bestimmte Veränderungen der Herzkammern und Herzklappen beurteilen. Dieser Herzultraschall lässt sich erweitern, indem sich der Patient vor der Untersuchung körperlich anstrengt oder durch die Einnahme eines synthetischen Sympathomimetikums eine pharmakologische Belastung erreicht wird.

Stress-Magnetresonanztomografie

Sympathomimetika können auch bei einer Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz kommen. Das Medikament provoziert einen schnelleren Herzschlag und zeigt so die Funktionen des Herzens und der umliegenden Arterien unter Belastung im MRT.

Myokardszintigrafie zur Diagnose von Angina pectoris

Ergeben die vorherigen diagnostischen Verfahren keinen eindeutigen Befund im Hinblick auf eine Angina pectoris, sollte eine Myokardszintigrafie durchgeführt werden. Diese Untersuchung erfolgt durch die Injektion einer radioaktiven Substanz, z. B. Thallium, die sich am Herzmuskel anreichert. Mittels einer speziellen Gammakamera lässt sich der Herzmuskel sichtbar machen. Die Untersuchung kann sowohl im Ruhezustand als auch unter körperlicher Belastung erfolgen.

Sabrina Mandel